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Kritik

Seit einigen Wochen kann man in den Kinos den zweiten von vier geplanten Teilen der „Tribute von Panem“ sehen – der Verfilmung der Buchtrilogie von Suzanne Collins.

Wie so oft bei lange gereiften und gut abgelagerten Buchvorlagen und deren filmischen Adaptionen geben die Stoffe exzellente Einsichten in den Zeitgeist, manchmal loten sie auch erst dessen tiefe unzugängliche Schichten aus, in seltenen Glücksfällen legen sie diese ganz frei. Man mag von den „Tributen von Panem“ halten was man will – der Zeitgeist wird ganz gut getroffen. Und es ist doch ein bisschen beängstigend, dass das Buch und die Verfilmung behaupten können ausgerechnet den Zeitgeist der Jugend zu treffen.

Über das Storytelling und die Motivik wurde bereits das meiste in ausreichender Qualität gesagt. Auch über psychische Motivationen der Beteiligten einschließlich der zugrunde liegenden Gesellschaftskritik. Was mich allerdings ein bisschen wundert ist dass ich bisher nichts über einen, wenn nicht den Kernsatz im zweiten Teil der Verfilmung gelesen habe, der thematisch alles auf den Tropfen gerinnen lässt (und vielleicht das Blut in den Adern auch).

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Tipp: ein guter Beitrag auf jungle-world über Freiheit und die vielfältige Formbarkeit ihres Gegenteils oder ihrer diversen Aberrationen, inklusive des Pizzicato eines Bundespräsidenten, der sich eloquent als Erbpächter derselben versteht, wohl ohne zu merken, dass er sich auf verräterische Weise permanent in einem solchen Rechtfertigungs-Modus präsentiert, als müsse er seine Erbpacht in einem lebenslangen Gerichtsverfahren gegenüber den „unverständigen Schäfchen“ erstreiten und nicht gegenüber den Mächtigen, Reichen und Einflussreichen.

Das Handelsblatt schreibt über „Die Mär von den faulen Ausländern“:

„Viele Menschen sind überzeugt: Zuwanderer wollen nur den Sozialstaat ausnutzen. Eine neue Studie widerspricht der Stammtischeparole deutlich. Migranten wollen arbeiten.“

Bei derlei Beiträgen muss ich mich immer wundern. Warum? Weil ich keine neue Studie benötige um zu wissen, dass Menschen in der Regel arbeiten und ihrer sozialen Umgebung nützlich sein wollen. Man muss sie dies aber auch tun lassen und die richtigen Rahmenbedingungen dafür setzen. Über das Fehlen und die systematische Abschaffung dieser Rahmenbedingungen – positive Rückkopplungen – wünschte ich mir mehr Beiträge von den Papiermedien. Hier herrscht aber oft Schweigen im Blätterwald.

Man darf sich halt nicht täuschen lassen: auch wenn das Handelsblatt gegen die „Stammtischparole“ von BILD, Sarrazin u.a. schreibt, wärmt es gerade deren Stammtischparolen auf und versucht sich – auf billige – Art und Weise abzugrenzen und linksliberal davon zu positionieren. Dies lässt sich beim Spiegel, der Zeit, sogar der Süddeutschen und vielen anderen beobachten: ein großes Kartell, wenn es darum geht, eine bestimmte journalistische Linie zu verfolgen.

Man will sich von denen nicht täuschen lassen. Deshalb ist es gut, wenn man sich immer wieder wundert.

Das ist bemerkenswert: wer glaubte der PR-Coup des Jahres mit Schmidt und Steinbrück laufe außerhalb jeder Konkurrenz, sieht sich getäuscht. Wieder einmal wagt ein Hamburger Medien-Schwergewicht die große Show: Guttenberg is back! Diesmal in der „Zeit“, noch ein bisschen gewagter und vielleicht auch noch ein bisschen absurder. Ein Lernbeispiel für schamlose PR: Nur wenige Tage Stunden nach der Entscheidung eines bayrischen Gerichts, den Herrn von und zu Guttenberg gegen Zahlung von 20.000 Talern vom Vorwurf der Hexerei und Lüge reinzuwaschen, wagt sich derselbe mit Hilfe eines großen Presseorgans wieder in die Offensive. Gerade weil zwischen den Schritten kaum Zeit vergeht, soll der Eindruck eines ungerechtfertigten, zumindest eines unangemessenen Verfahrens entstehen. Schließlich will der Freiherr nicht betrogen, sondern lediglich einen „ungeheuerlichen Fehler“ begangen haben. In der Tat, und damit keiner auf die Idee kommt, der Fehler liege in einem schamlosen Betrug, wird geschickt verschleiert was denn nun dieser Fehler eigentlich sei. Die Dekonstruktion der dazu passenden Rhetorik ist hier, wenn auch nur sehr knapp, sehr gut gelungen.

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