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Eine Piratin und Politologin und Freundin und Buchautorin und Bloggerin (und und uuuund), die damit liebäugelt Übermensch zu werden und das „innere Aufklärung“ nennt, landet den genialsten PR-Coup und keiner merkt´s? Der Spiegel empört sich über die Politologin, ein bisschen auch die SZ. Oder interessiert´s keinen, was die Piratin und Feministin von sich zu geben hat? Natürlich muss ihr Verlag die piratig-kostenlose Verbreitung der Buchstabenzeilen dieser Freundin und Autorin und Feministin (und und uuuuund) via Internet sofort stoppen. Denn irgendwie muss das Honorar für die Piratin und Bloggerin ja wieder reinkommen.

Aber eigentlich mag ich dich. Du Piratin, Feministin und Politologin. Und Philosophin. Oder? Ach komm schon, gib´s zu, ein bisschen verstehst du dich doch auch als Philosophin. Du hast pfundschwere Uni-Reader gelesen, in denen Adorno, Habermas, Nietzsche UND Mme. de Staël sich in trauter Eintracht nebeneinander tummelten. (Du hast dich erst noch gefragt, warum diese überwätligenden Kombinationen von überwältigenden Figuren. Dann später hast du dich das nicht mehr gefragt.) Und du hast daraus die falschen Schlüsse gezogen. Wohl zogst du den Schluss, nun zieht er dich, muaha. Du hast die Girlanden in ein Buch verpresst. Dein Plan geht auf: Du wirst nicht mit Inhalten verbunden (was du in post-meta-Manier eh als beinahe unmöglich empfindest), sondern mit Attitüde.

Darauf würde ich gerne mit dir anstoßen.

Jetzt muss ich aber los, dein Buch kaufen!

*episches Gelächter*

Tipp: ein guter Beitrag auf jungle-world über Freiheit und die vielfältige Formbarkeit ihres Gegenteils oder ihrer diversen Aberrationen, inklusive des Pizzicato eines Bundespräsidenten, der sich eloquent als Erbpächter derselben versteht, wohl ohne zu merken, dass er sich auf verräterische Weise permanent in einem solchen Rechtfertigungs-Modus präsentiert, als müsse er seine Erbpacht in einem lebenslangen Gerichtsverfahren gegenüber den „unverständigen Schäfchen“ erstreiten und nicht gegenüber den Mächtigen, Reichen und Einflussreichen.

Das Handelsblatt schreibt über „Die Mär von den faulen Ausländern“:

„Viele Menschen sind überzeugt: Zuwanderer wollen nur den Sozialstaat ausnutzen. Eine neue Studie widerspricht der Stammtischeparole deutlich. Migranten wollen arbeiten.“

Bei derlei Beiträgen muss ich mich immer wundern. Warum? Weil ich keine neue Studie benötige um zu wissen, dass Menschen in der Regel arbeiten und ihrer sozialen Umgebung nützlich sein wollen. Man muss sie dies aber auch tun lassen und die richtigen Rahmenbedingungen dafür setzen. Über das Fehlen und die systematische Abschaffung dieser Rahmenbedingungen – positive Rückkopplungen – wünschte ich mir mehr Beiträge von den Papiermedien. Hier herrscht aber oft Schweigen im Blätterwald.

Man darf sich halt nicht täuschen lassen: auch wenn das Handelsblatt gegen die „Stammtischparole“ von BILD, Sarrazin u.a. schreibt, wärmt es gerade deren Stammtischparolen auf und versucht sich – auf billige – Art und Weise abzugrenzen und linksliberal davon zu positionieren. Dies lässt sich beim Spiegel, der Zeit, sogar der Süddeutschen und vielen anderen beobachten: ein großes Kartell, wenn es darum geht, eine bestimmte journalistische Linie zu verfolgen.

Man will sich von denen nicht täuschen lassen. Deshalb ist es gut, wenn man sich immer wieder wundert.

Das ist bemerkenswert: wer glaubte der PR-Coup des Jahres mit Schmidt und Steinbrück laufe außerhalb jeder Konkurrenz, sieht sich getäuscht. Wieder einmal wagt ein Hamburger Medien-Schwergewicht die große Show: Guttenberg is back! Diesmal in der „Zeit“, noch ein bisschen gewagter und vielleicht auch noch ein bisschen absurder. Ein Lernbeispiel für schamlose PR: Nur wenige Tage Stunden nach der Entscheidung eines bayrischen Gerichts, den Herrn von und zu Guttenberg gegen Zahlung von 20.000 Talern vom Vorwurf der Hexerei und Lüge reinzuwaschen, wagt sich derselbe mit Hilfe eines großen Presseorgans wieder in die Offensive. Gerade weil zwischen den Schritten kaum Zeit vergeht, soll der Eindruck eines ungerechtfertigten, zumindest eines unangemessenen Verfahrens entstehen. Schließlich will der Freiherr nicht betrogen, sondern lediglich einen „ungeheuerlichen Fehler“ begangen haben. In der Tat, und damit keiner auf die Idee kommt, der Fehler liege in einem schamlosen Betrug, wird geschickt verschleiert was denn nun dieser Fehler eigentlich sei. Die Dekonstruktion der dazu passenden Rhetorik ist hier, wenn auch nur sehr knapp, sehr gut gelungen.

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Xenophobie und anti-moderne Reflexe haben Konjunktur

Der Interpretations-Streit um das schweizerische Verbot des Baus neuer Minarette schlägt hohe Wellen. Naturgemäß wird das Thema bei den Eidgenossen selbst höher gehängt als in anderen Ländern, aber auch in Deutschland, England, Frankreich, der Türkei etc. wurde der demokratisch durch eine Volksabstimmung – wenn auch knapp mit 57,5 Prozent – festgestellte Volkswillen registriert und kommentiert. Der türkische Ministerpräsident Erdogan sprach von einem „Zeichen zunehmender rassistischer und faschistischer Einstellungen in Europa“ und wies darauf hin, dass Islamophobie genauso wie Antisemitismus ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ darstellten.

Von jenen, denen zu Recht eine erhöhte Deutungshoheit über Fremdenfeindlichkeit und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zukommt, war Besorgnis erregendes zu hören: Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland kommentierte, die Entschließung der Schweizer könne nun „weder beschönigt, noch uminterpretiert“ werden. Seiner Beobachtung nach gebe es kein einziges europäisches Land, in dem nicht in etwa genauso viel Angst vor den Muslimen in der Bevölkerung herrsche wie in der Schweiz. Volksabstimmungen in diesen Ländern hätten ähnliche Ergebnisse gezeitigt.

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In einem Beitrag für seinen Blog print-wuergt.de unter dem Titel „Die Partei, die Partei, die ist immer schlecht“ spricht sich Michalis Pantelouris gegen die öffentliche, vor allem kritische Debatte rund um die vom ZDF-Verwaltungsrat beschlossene Entlassung des Chefredakteurs Nikolaus Brender aus:

„Nun geht ein Aufschrei durch die Republik, der wirkt, als wäre die Demokratie in Gefahr, wegen des unerträglichen Hineinregierens der Parteien oder gar der Regierungen in die Öffentlich-Rechtlichen Sender. […]Ein großer Teil der Kritik ist allerdings geradewegs undemokratisch.“

Der Beitrag greift leider viel zu kurz und enthält auch schlichte Halbwahrheiten. Er verdreht die Positionen der Argumente und Handlungen, denen entweder das Label „demokratisch“ oder „undemokratisch“ zukommt. Er lässt historische, juristische und medientheoretische Bedenken gegen die aktuelle Regelung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks außer Betracht. Er lässt sich aber auch als Beispiel für weit verbreitete Missverständnisse in Bezug auf unabhängigen Journalismus, Parteiendemokratie und Proporze lesen.

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