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Rezension

Seit einigen Wochen kann man in den Kinos den zweiten von vier geplanten Teilen der „Tribute von Panem“ sehen – der Verfilmung der Buchtrilogie von Suzanne Collins.

Wie so oft bei lange gereiften und gut abgelagerten Buchvorlagen und deren filmischen Adaptionen geben die Stoffe exzellente Einsichten in den Zeitgeist, manchmal loten sie auch erst dessen tiefe unzugängliche Schichten aus, in seltenen Glücksfällen legen sie diese ganz frei. Man mag von den „Tributen von Panem“ halten was man will – der Zeitgeist wird ganz gut getroffen. Und es ist doch ein bisschen beängstigend, dass das Buch und die Verfilmung behaupten können ausgerechnet den Zeitgeist der Jugend zu treffen.

Über das Storytelling und die Motivik wurde bereits das meiste in ausreichender Qualität gesagt. Auch über psychische Motivationen der Beteiligten einschließlich der zugrunde liegenden Gesellschaftskritik. Was mich allerdings ein bisschen wundert ist dass ich bisher nichts über einen, wenn nicht den Kernsatz im zweiten Teil der Verfilmung gelesen habe, der thematisch alles auf den Tropfen gerinnen lässt (und vielleicht das Blut in den Adern auch).

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Das ist bemerkenswert: wer glaubte der PR-Coup des Jahres mit Schmidt und Steinbrück laufe außerhalb jeder Konkurrenz, sieht sich getäuscht. Wieder einmal wagt ein Hamburger Medien-Schwergewicht die große Show: Guttenberg is back! Diesmal in der „Zeit“, noch ein bisschen gewagter und vielleicht auch noch ein bisschen absurder. Ein Lernbeispiel für schamlose PR: Nur wenige Tage Stunden nach der Entscheidung eines bayrischen Gerichts, den Herrn von und zu Guttenberg gegen Zahlung von 20.000 Talern vom Vorwurf der Hexerei und Lüge reinzuwaschen, wagt sich derselbe mit Hilfe eines großen Presseorgans wieder in die Offensive. Gerade weil zwischen den Schritten kaum Zeit vergeht, soll der Eindruck eines ungerechtfertigten, zumindest eines unangemessenen Verfahrens entstehen. Schließlich will der Freiherr nicht betrogen, sondern lediglich einen „ungeheuerlichen Fehler“ begangen haben. In der Tat, und damit keiner auf die Idee kommt, der Fehler liege in einem schamlosen Betrug, wird geschickt verschleiert was denn nun dieser Fehler eigentlich sei. Die Dekonstruktion der dazu passenden Rhetorik ist hier, wenn auch nur sehr knapp, sehr gut gelungen.

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Mit seiner neuen Publikation „Der Hass auf den Westen“ liefert der Schweizer Soziologe Jean Ziegler ein herrlich unaufgeregtes, nüchtern-objektives und dennoch von der Betroffenheit des reisenden Beobachters zeugendes Dossier über die Peripherie des westlichen Reichtums, welche zugleich das Herz der südlichen Armut ist, und über den Hass, den dieses tief in der Weltgeschichte verwurzelte janusköpfige Dilemma bei den Benachteiligten in aller Welt erzeugt.

Ohne je Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit der beschriebenen Phänomene zu behaupten, und ohne etwa deren Erkenntnis durch viele neue Daten oder Fakten zu unterfüttern, brilliert Ziegler vielmehr in der Rolle des historisch bewanderten Reiseschriftstellers bzw. Reisejournalisten. Sein Blick beim Gang durch die Kellergewölbe der Armut und Unterdrückung gerät an keiner Stelle unangemessen staunend, sein Blick auf den mühsamen Weg der unterdrückten Völker nach oben – ans Licht – gerät an keiner Stelle unangemessen naiv. Das gilt auch für einen Hauptteil, den fünften Teil seines Buches, der seinen Besuch im Bolivien des indigenen Präsidenten Evo Morales beschreibt.

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