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Schlagwort-Archive: Privatisierung

Obwohl weitläufig bekannt ist, dass Bildung von den verschiedenen deutschen Regierungen der letzten Jahre (seit 2005 auch mit Bildungsministerin Anette Schavan) systematisch unterfinanziert bleibt, und auf dem Höhepunkt der Studentenproteste, wagte sich Frau Schavan am Wochenende ausgerechnet mit einem Plan zur Bildungs-Privatisierung aus der schwäbischen Deckung und zog sich mit dieser gezielten Provokation zu Recht zornige Reaktionen zu. Auf den Punkt brachte es die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Dagmar Ziegler gegenüber der taz am Montag:

„Die Ministerin erwartet ernsthaft, dass die Menschen für Bildung sparen, während die Regierung selbst an der Bildung spart. Das ist absurd. Bildung ist eine staatliche Aufgabe und das muss sie auch bleiben.“

In Schavans Weltbild soll Eltern nach dem Vorbild der Riester-Rente schon bei Geburt ihres Kindes die finanzielle Vorsorge für dessen Bildungszukunft zugemutet werden.

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ARD-Film „Die Treuhänderin“ scheitert am Verschweigen

Regisseur Horst Königstein zeichnet den Lebens- und vor allem Karriereweg Birgit Breuels nach – von ihrer Herkunft aus der Hamburger Bankier-Aristokratie über die Finanzministerin in Niedersachsen zur Treuhand-Chefin, Beauftragten der Expo 2000 und schließlich ihrem Rückzug ins Privatleben und Ausführung von Ehrenämtern. Dabei wirkt das Storytelling Königsteins oftmals aufgesetzt und abgehackt. Er kommt seiner Protagonistin nicht ein einziges Mal wirklich in die Quere oder auch nur nahe. Sein größter Fehler aber ist: er ist völlig unpolitisch. Das Bio-Pic vermeidet eine ausbalancierte kritische Würdigung, und ist damit sowohl von der Optik, als auch dem Inhalt her gesehen nicht besser als eine GZSZ-Folge.

Kritische Episoden sind in diesem Film Fehlanzeige. Auch die zahlreichen befragten Zeitgenossen und Weggefährten Birgit Breuels sind ausnahmslos voller Bewunderung und Lob für ihre Lebensleistung. Dass sich die gelernte Einzelhandelskauffrau in ihren Treuhandzeiten als eisenharte Vollstreckerin rein kapitalistischer Interessen erwies, wird ausgeklammert. Kritiker kommen nicht zu Wort. Da man von diesem Film aber auch so rein gar nichts Brauchbares Lernen kann, muss man sich woanders umsehen:

Hier zum Beispiel findet man eine vorbildliche Biografie über Birgit Breuel im Netz, die auch Schattenseiten ausleuchtet und zeigt, dass diese eiserne Lady nicht nur die Wirtschaft des Landes Niedersachsen mit ihrem neoliberalen Besen verheert hat, sondern auch, wie nach ihrer Übernahme der Treuhand nach Rohwedders Tod die Privatisierungs-Welle zu einem Privatisierungs-Tsunami wurde.

Hier ein etwas älteres Interview der ZEIT mit Edgar Most (2004). Der Ex-DDR-Bankier und dann Chef der Deutschen Bank in Berlin kennt die Welten beiderseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs und ist daher ein wertvoller Zeitzeuge. Im Interview antwortet er auf die Frage, ob es Mitte der Neunziger Jahre einen Wendepunkt gab, ab dem der Kapitalismus „los marschierte“:

„Für mich war ein Wendepunkt die Ermordung von Carsten Rohwedder, dem Treuhand-Chef. Sein Motto war: Erst sanieren, dann privatisieren. […] Als Birgit Breuel seine Nachfolgerin wurde, war alles anders. Sie hatte die Vorgabe, dass es in drei Jahren keine Treuhand mehr gibt. Also wurde totgemacht und abgewickelt.“

Und schließlich hier eine der wenigen engagierten Besprechungen des Films von Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung. Freilich aus gutem Grund ein Verriss.

Filmemacher Horst Königstein hat immerhin schon gemeinsam mit Heinrich Breloer an den Dokus über die Familie Mann bzw. Albert Speer gearbeitet.  Von dem ärgerlich banalen und banalisierenden Filmchen über Birgit Breuel war man aber offenbar bei der ARD selbst nicht so sehr  überzeugt und entschied sich daher für den verdrucksten Sendeplatz um 23:25 Uhr.