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Schlagwort-Archive: UN-Klimakonferenz in Kopenhagen

Deutsche Übersetzung des Interviews von democracynow.org mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou, geführt von Amy Goodman während der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen (gesendet am 04.01.10: direct link). Der Sozialdemokrat Papandreou löste im vergangenen Oktober den liberalkonservativen Kostas Karamanlis im höchsten griechischen Staatsamt ab. Seit 2006 ist er überdies Vorsitzender der Sozialistischen Internationale.

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Goodman: Der aktuelle Stand der Klimaverhandlungen – was denken Sie darüber?

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Die Welt wird nicht erst in fünfzig Jahren an der Klimaerwärmung zugrunde gehen. Die Welt geht tagein tagaus an dem Chaos zugrunde, das die weltumspannenden Modi von Produktion, Konsumtion und Verteilung erzeugen. Selbst wenn heute schon ein fulminanter Vorstoß zur Reduzierung des Austoßes von Treibhausgasen gelingen würde, selbst wenn heute schon ein Erreichen des Zwei-Grad-Ziels als gesichert gelten würde – die Gründe für das offensichtliche Scheitern der menschlichen Zivilisation wären immer noch nicht beseitigt. Die Tatsache, dass die politökonomischen Mächte 37 Jahre nach dem Bericht des Club of Rome und nach einer endlosen Folge von Gipfeltreffen immer noch nicht über ein integratives Verständnis dieser Zivilisation verfügen, sollte uns allmählich nachdenklicher machen. Nachdenklicher jedenfalls, als immer wieder auf´s Neue den oberflächlichen Leitmotiven und kleinmütigen Tagesordnungspunkten dieser Mächte hinterher zu laufen.

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Die International Advertising Association (IAA), eine Interessenvereinigung von führenden Werbern und ihren Kunden mit Zweigstellen in aller Welt, wirbt auf ihre Weise für einen erfolgreichen Klimagipfel in Kopenhagen:

www.hopenhagen.org

Jeder kann Bürger von „Hopenhagen“ werden. Der Hauptslogan ist „…gives me hope“, eine Forderung lautet „Spread hope“. „Hope“ ist seit Obamas erfolgreichem Selbstmarketing offenbar die angesagte Formel. Aufpassen, dass es nicht ausschließlich eine werbewirksame Leerformel bleibt!

Was auch immer der Klimagipfel in Kopenhagen bringen wird – an einem wird es sicher nicht mangeln: an politischen Absichtserklärungen und Manifesten. Es wird eine weitere Konferenz in einer endlosen Reihe von Konferenzen sein, die seit Jahren schon, ohne dies explizit einzugestehen, das Ende eines ganzen Zivilisationsmodells einläuten – das Ende des westlichen Modells.

Politische Manifeste – es ermangelt ihrer in der Geschichte der Menschheit gewiss nicht – sind immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bemühen sich die Verfasser um Klarheit in der Sache und Prägnanz in der Formulierung, damit auch jeder ihre Botschaft verstehe. Oft verzichten sie aber auch schon um der Eindringlichkeit oder der Wirkmächtigkeit ihrer Appelle willen auf wichtige Einzelheiten. Und in einer anderen Hinsicht sind Manifeste letztlich immer die pompösen interessengeleiteten Äußerungen von bestimmten Gruppen, und ihre Verfasser blenden daher regelmäßig missliebige Details aus und verschweigen Tatsachen, die zur Realität ihrer Sache eigentlich dazu gehörten.

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Die Kapitulation der Klimakanzlerin

Lange, sehr lange her kommt es einem inzwischen vor, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sich beim G8-Treffen in Heiligendamm zur gefeierten „Klimakanzlerin“ empor schwang. Wenig, sehr wenig ist von den einstigen Absichtserklärungen geblieben. Das Abwürgen einer grünen, auf Energieeffizienz gerichteten Konjunkturpolitik schon während der Großen Koalition, verschärft sich noch einmal in der strategischen Ausrichtung Deutschlands durch die schwarz-gelbe Koalition und kommt einer Kapitulation Angela Merkels vor den wahren Herausforderungen gleich. Heute protegiert man im Kanzleramt und den Ministerien wieder die schmutzigen Industrien, weil angeblich Ökologie und Ökonomie nicht zusammen gehen. Die einstige „Klimakanzlerin“ ist nicht mehr bereit, für den Schutz des Klimas in Vorleistung zu gehen: Beim EU-Spitzentreffen vor einem Monat trat sie ganz im Stil einer eisernen Lady auf, und lehnte unter Hinweis auf die Hinhaltetaktik der Chinesen und der USA jegliche konkreten finanziellen Zusagen seitens der EU ab.

Die beginnende ökologische Krise ist auch eine ökonomische Krise und umgekehrt. Beides beruht auf einer lange eingeübten zu wenig nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise. Der bevorstehende UN-Klimagipfel in Kopenhagen ist daher nicht nur ein Klimagipfel, sondern auch ein Weltwirtschaftsgipfel, vielleicht gar einer der historisch wichtigeren. Skandalös, dass sich US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama, der den USA eine führende Rolle im Klimaschutz zuweisen will, erst in letzter Minute für eine Teilnahme in Kopenhagen entscheidet und dann auch noch ankündigt, nur für einen einzigen Tag zu bleiben. Angela Merkel verpasst hier nicht zuletzt die Chance, sich, Deutschland und Europa gegenüber dem Zauderer vom anderen Atlantikufer zu profilieren. Eine massive Unterstützung in der deutschen und der europäischen Bevölkerung, gar weltweit wäre ihr sicher. Dass die Kanzlerin diese politische Dividende einfach so ausschlägt, belegt, wie stark sie von industriellen Interessen gesteuert wird.

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Hoffnungsträger Obama lässt noch schneller Federn als die Truthähne zu Thanksgiving

Wie schön waren doch die Zeiten, vor etwa einem Jahr, als die Überbringung von frohen Botschaften das Privileg eines jungen und dynamischen Juristen aus Chicago zu sein schien. Die Menschen aus „God´s own country“ und in vielen anderen Ländern jubelten dem Bewerber um das höchste Staatsamt zu, so als zöge ein neuer König in die Stadt ein, und sie ersehnten ihn heiß als neuen moralischen Exportschlager einer innerlich gespaltenen und äußerlich zerknirschten Nation im Dauerkriegszustand. Schlechte Nachrichten wurden mit dem Konkurrenten John McCain assoziiert – dafür sorgten ein Heer von freiwilligen Graswurzel-Pressereferenten, eine Frau namens Sarah Palin und nicht zuletzt McCain selbst. Die Menschen damals wollten nur ihren Guru hören: „Change“ und „Hope“ und „Yes we can“. Zu sehen gab es ja noch nicht viel.

Diese Zeiten sind vorbei, und heute gibt es was zu sehen, dafür aber fast nichts mehr zu hören, jedenfalls nichts Gutes. Was das für ein trauriges Häuflein ist, das da noch an frohen Botschaften übrig bleibt, wurde gestern besonders deutlich. Nicht mehr als die alljährliche rituelle Begnadigung zweier Truthähne – Reminiszenz an den Überpräsidenten Abraham Lincoln – taugte noch für ein freudiges Pressefoto. Und dennoch sah es beinahe so aus, als bliebe dem Präsidenten dabei das optimistisch-entschlossene Lächeln im Halse stecken. Leider aus gutem Grund.

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Naomi Klein über den Klimawandel und warum reiche Länder Entschädigungen an ärmere zahlen sollten

Zwei Wochen noch bis zur UN-Klimakonferenz in Kopenhagen und es besteht kein Zweifel daran, dass ein tiefer Graben zwischen den Interessen der Industrienationen und jenen der Entwicklungsländer klafft. Es geht um Emissionseinsparungen und – mal mehr, mal weniger – ehrgeizige „Klimaziele“, es geht um versinkende Pazifik-Inseln und die Kosten von Wirbelstürmen, es geht um Weltmärkte und es geht um Entwicklungshilfe-Milliarden. Während das Lavieren der Politiker aus den großen Wirtschaftsnationen von Klimagipfel zu Klimagipfel fort schreitet, formiert sich vom unteren Ende der Rangliste her – unter den wenig, gering und gar nicht entwickelten Ländern – ein wachsender Widerstand, und es entstehen daraus neue Koalitionen.

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